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Wortklauberei (24): Was sind schon 80 Prozent?

Als Anfang des Monats an den großen Tankstellen erstmals der „Energiekostenvergleich für Personenkraftwagen“ ausgehängt werden musste, ergab sich eine verräterische Diskussion um die Aussagekraft der Zahlen. Bei den hatte das Bundeswirtschaftsministerium den Preis fürs Laden des Elektroautos daheim angesetzt. Das sei ungerecht, weil Laden anderswo deutlich teurer sei, hieß es auch bei uns. Das Ministerium erwiderte: 80 Prozent aller Ladevorgänge finden doch sowieso an der eigenen Wallbox statt.

Die Zahl verrät das eigentliche Thema: Offenbar sind die Mehrzahl der Elektroautobesitzer auch Besitzer eines Eigenheimes, sind also wohlhabend und wohnen im Speckgürtel einer Großstadt oder in ländlichen Regionen. Kaum vorstellbar ist das Laden aus einer Etagenwohnung in der Stadt, vielleicht per Kabeltrommel. Öffentliche Ladesäulen sind selten, meist von ladenden Dauerparkern blockiert und teuer. Das sind die übrigen 20 Prozent, immer auf der Jagd nach Anschluss.

Die Zahl 80 zeigt demnach, wie unattraktiv sich das Elektroauto heute dem Städter präsentiert. Die wenigsten können bei Supermärkten oder in der Tiefgarage ihres Arbeitgebers nachladen. Denn die Erfahrung lehrt auch dort: Sorry! Alles besetzt!

Und so legt die 80 den Finger in die Wunde. Gerade die junge, urbane Bevölkerung, die sich angeblich die Verkehrswende für ihre Stadt herbeisehnt, kann von der Aussicht auf ein eigenes Elektroauto nur träumen. Ihnen bleiben Busse, Bahnen, Scooter oder Lastenrad. (aum)


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Foto: Auto-Medienportal.Net

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