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Fahrbericht Kia EV2: Klein-SUV zum Kampfpreis – mit Aufpreis

Mit dem EV2 schickt Kia einen neuen Stromer ins B-SUV-Segment, der für Europa gedacht, entwickelt und produziert wurde und genau dort einschlagen soll, wo in den kommenden Monaten das Gedränge besonders groß wird. Der Einstiegspreis von 26.600 Euro klingt nach Kampfansage, zumal Kia zwei Batteriegrößen mit 42,2 und 61,0 kWh, bis zu 453 Kilometer Reichweite und ein erstaunlich erwachsenes Technikpaket verspricht. Auf dem Papier also genau jenes Auto, auf das viele warten: kompakt, elektrisch, ordentlich ausgestattet und noch halbwegs bezahlbar. In der Realität zeigt sich allerdings, dass der EV2 zwar günstig anfängt, das aber nicht unbedingt bleibt.

Optisch ist der EV2 ganz auf Kia-Linie. Die Front steht fast senkrecht im Wind, die vertikale Lichtsignatur im Star-Map-Stil soll Familienähnlichkeit herstellen, und die kräftig eingefassten Radhäuser geben dem Auto mehr Präsenz, als seine Grundfläche vermuten lässt. Das ist nicht revolutionär, aber konsequent: Der EV2 sieht nicht aus wie eine Sparlösung, sondern wie ein bewusst geschrumpfter Vertreter der Kia-Elektrofamilie. Genau das dürfte vielen Käufern gefallen, die im Einstiegssegment zwar auf den Preis achten, aber nicht zwingend ein Auto wollen, das diese Entscheidung an jeder Blechkante herausposaunt.

Im Innenraum setzt Kia auf ein Layout, das modern wirkt, ohne den Nutzer komplett in die Touchscreen-Erziehung zu schicken. Vor dem Fahrer spannt sich ein breites Bildschirm-Ensemble auf, bestehend aus 12,3-Zoll-Kombiinstrument, 12,3-Zoll-Touchscreen und einem separaten 5,3-Zoll-Display für die Klimasteuerung. Diese Aufteilung ist mehr als eine Designgeste, weil sie die Bedienung tatsächlich erleichtert: Klima-Funktionen sind nicht tief in Menüs vergraben, das Cockpit wirkt aufgeräumt, und die Mischung aus digitaler Darstellung und klar zugeordneten Funktionen vermeidet das nervöse Herumtippen, das man inzwischen aus manchem Konkurrenten kennt. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig, ebenso Over-the-Air-Updates. Die Bedienung wirkt insgesamt durchdacht, nicht verspielt, eher sachlich als spektakulär.

Der Gangwahlhebel sitzt griffgünstig an der Lenksäule, die Rekuperation wird über Lenkradwippen geregelt, und die Menüstruktur folgt dem bekannten Kia-Muster, das in der Regel keine langen Eingewöhnungszeiten verlangt. Wer schon einmal ein aktuelles Modell der Marke bewegt hat, findet sich sofort zurecht. Wer neu einsteigt, wird auch nicht erschlagen. So gesehen ist der EV2 eines jener Autos, die Digitalisierung nicht mit Verkomplizierung verwechseln. Das klingt selbstverständlich, ist es in dieser Klasse aber längst nicht mehr. Auch das Thema Laden ist ordentlich integriert. Plug & Charge ist an Bord, ein Routenplaner kann Ladestopps einbeziehen, und bidirektionale Funktionen wie V2L beziehungsweise die V2X-Vorbereitung zeigen, dass Kia den Kleinen nicht als abgespeckte Verzichtsübung angelegt hat.

Beim Platzangebot gibt sich der EV2 ebenfalls betont vernünftig. 4,06 Meter Außenlänge sind im Stadtverkehr handlich, doch dank 2,57 Meter Radstandswirkt der Innenraum nicht knauserig. Besonders interessant ist das variable Fondkonzept. Neben der klassischen Fünfsitzer-Ausführung gibt es ein optionales Vier-Sitzer-Paket (300 Euro) mit zwei einzeln verschiebbaren Rücksitzen, das dem Auto etwas mehr Lounge-Charakter verleiht und den Nutzwert tatsächlich erhöht. Der Kofferraum fasst als Fünfsitzer 362 Liter, als Viersitzer bis zu 403 Liter, dazu kommt ein 15-Liter-Frunk unter der Fronthaube für das Ladekabel. Der EV2 will nicht nur modisch sein, sondern auch praktisch. Das gelingt ihm ziemlich ordentlich.

Für den Antrieb stehen zwei Varianten bereit, und die Rollenverteilung ist leicht kurios. Das Basismodell mit 42,2-kWh-Batterie leistet 108 kW (146 PS), entwickelt 250 Nm Drehmoment und sprintet in 8,7 Sekunden auf 100 km/h. Die Version mit 61,0-kWh-Akku kommt auf 99,5 kW beziehungsweise 135 PS, mobilisiert ebenfalls 250 Nm und braucht 9,5 Sekunden für den Standardsprint. Beide fahren maximal 161 km/h. Die kleinere Batterie ist also die lebhaftere, die größere die ausdauerndere. Kia nennt für die 42,2-kWh-Version bis zu 317 Kilometer Reichweite, für den großen Akku bis zu 453 Kilometer.

Bei ersten Fahreindrücken mit der kleineren Batterie zeigt sich der EV2 als typischer Fronttriebler neuer Schule: spontan im Antritt, aber nicht übermotorisiert, ausreichend kräftig für Stadt, Landstraße und zügiges Einfädeln, ohne den Fahrer permanent zur Hetzjagd zu verführen. Das maximale Drehmoment liegt sofort an, der knapp 1,6 Tonnen schwere Wagen kommt damit flott aus dem Stand, bleibt aber insgesamt auf der nüchternen Seite des Temperaments. Der EV2 geht nicht wie ein elektrischer Wilder nach vorn, aber er zieht willig und ohne künstliche Dramatik los. Für den Alltag ist das die angenehmere Art der Abstimmung.

Beinahe noch besser als der Antrieb gerät der Gesamteindruck des Fahrwerks. Der EV2 fährt angenehm unspektakulär, und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Er federt ordentlich, ohne schwammig zu wirken, bleibt sauber auf Kurs und wirkt auch in schnellen Kurven und Richtungswechseln verlässlich. Seine größte Stärke ist dabei nicht Sportlichkeit, sondern Souveränität. Er fährt leise, erwachsen und erstaunlich abgeklärt. Gerade im Einstiegssegment ist das eine Qualität, die oft unterschätzt wird.

Zum erwachsenen Eindruck trägt auch die gute Geräuschdämmung bei. Speziell abgestimmte Reifen, Dämmmaterialien in Radhäusern und Innenraum, eine optimierte Unterbodenverkleidung und je nach Version eine isolierte Frontscheibe halten Abroll- und Windgeräusche erfolgreich aus dem Innenraum heraus, was auf schlechten Straßen und bei höherem Tempo sofort positiv auffällt. Das gibt dem Wagen eine Klasse, die man in dieser Preiskategorie nicht unbedingt voraussetzt.

Beim Laden liefert der kleine Kia ebenfalls solide Argumente. An der DC-Schnellladesäule gehen beide Akkus in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent, sofern die maximale Ladeleistung anliegt. AC-seitig sind serienmäßig 11 kW möglich, optional gibt es – erstmals in einem Kia auch 22 kW, das besonders im urbanen Alltag mit öffentlicher Wechselstrom-Infrastruktur die Ladezeiten deutlich reduzieren kann.

Weniger charmant wird der EV2 allerdings beim Blick in die Preisliste. Der Basistarif ist attraktiv, doch schon der Schritt in besser ausgestattete Varianten relativiert das Schnäppchengefühl. Auch wenn die Einstiegsversion „Light“ nicht nackt unterwegs ist. Panoramadisplay, LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Smart-Key, Rückfahrkamera, Parksensoren vorne und hinten sowie eine beachtliche Auswahl an Assistenzsystemen sind bereits an Bord.

Der Haken folgt eine Etage höher. Viele der attraktiven Komfort- und Technikfeatures beginnen erst mit den aufbauenden Ausstattungen „Air“ oder „Earth“, wo Dinge wie Navigation mit Online-Funktionen, induktives Laden, Sitzheizung, Lenkradheizung, hochwertigere Materialien und weitere Konnektivitätsdienste in Reichweite rücken. Die große 61,0-kWh-Batterie gibt es überhaupt erst ab Air. Damit springt der Preis direkt von 26.600 auf 33.490 Euro. Earth kostet mit kleinem Akku 31.290 Euro, mit großem 35.790 Euro. Die GT-Line steht ausschließlich mit großem Akku in der Liste und startet bei 36.890 Euro. Spätestens hier ist der EV2 kein günstiger Volksstromer mehr, sondern ein ziemlich ernsthaft bepreistes Klein-SUV.

Hinzu kommt, dass Kia bei den Extras eine Paketlogik pflegt, die auch nicht jedem gefallen dürfte. Bestimmte Einzelfeatures lassen sich nicht frei einzeln anklicken, sondern nur zusammen mit weiteren Paketen bestellen. Das betrifft ausgerechnet jene Ausstattungen, die im Alltag besonders verlockend wirken: 22-kW-AC-Laden, Wärmepumpe, Komfortfeatures, erweiterte Assistenzsysteme, Harman/Kardon-Premium-Soundsystem oder digitale Schlüssel. Richtig teuer wird so etwa der Erwerb elektrische Glasschiebedach, das es ohnehin nur in der GT-Line gibt. Wer es nun für 990 Euro extra hinzuordern will, muss außerdem noch das Technology-Paket (1190 Euro), das Drive-Wise-Paket (990 Euro) und das Comfort-Paket (1090 Euro) mit hinzubuchen. So landet man zügig in Preisregionen, die der charmanten Einstiegserzählung einiges an Schwung nehmen und der Konfigurator zur Kettenreaktion wird.

Das ändert aber nichts daran, dass Kia mit dem EV2 das passende Auto zur richtigen Zeit auf den Markt bringt. Er fährt angenehm unaufgeregt, ist innen durchdacht, bietet eine vernünftige Basisausstattung und macht viele Dinge im automobilen Alltag richtig. Nur sollte man sich vom attraktiven Grundpreis nicht zu früh einlullen lassen. Der EV2 ist unten fair kalkuliert, in der Mitte interessant und oben selbstbewusst eingepreist. Ob das für den Wettbewerb mit Renault, Stellantis und dem später antretenden VW-Konzern-Trio reicht, bleibt abzuwarten – aber die Chancen stehen gut. (aum)

Daten Kia EV2 „Earth“

Länge x Breite x Höhe (m): 4,06 x 1,80 x 1,58
Radstand (m): 2,57
Antrieb: Elektrisch, 108 kW (146 PS), Frontantrieb, Automatikgetriebe
Max. Drehmoment: 250 Nm bei 4000/min
Höchstgeschwindigkeit: 161 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,7 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,5 kWh (18-Zoll)
Batteriekapazität: 42,2 kWh
Reichweite (WLTP): 317 km
Max. Ladeleistung: 11 kW AC (optional 22 kW)/ 118 kW
Leergewicht / Zuladung: 1620 kg / 470 kg
Kofferraumvolumen: 362-1201 Liter + 15 Liter (Frunk)
Anhängelast: 750 kg
Preis: ab 31.290 Euro
Testwagenpreis: 37.530 Euro

Weiterführende Links: Kia-Presseseite

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Kia EV2.

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Kia EV2 und Autor Frank Wald.

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